Johann S. WerkstetterDie VerhaltensoptometrieHilfestellung bei Störungen in der visuellen Wahrnehmung ![]() Copyright 1999/2004 € 4.50 Johann S. Werkstetter, Optometrist (staatl.gepr.Augenoptiker/-meister) Die Verhaltensoptometrie |
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Diese Informationsbroschüre über Störungen in der visuellen Wahrnehmung (außerhalb der allgemein bekannten Fehlsichtigkeiten) soll zur Information all derer dienen, die im Alltag selbst unter einem Mangel an visueller Leistungsfähigkeit zu leiden haben, oder die in Schule, Beruf oder Therapie mit solchen Menschen zu tun haben.
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In dieser Übersicht sollen nur optometrische Zusammenhänge berücksichtigt werden. Krankhafte Veränderungen des Sehapparates unterliegen der Beurteilung und Behandlung durch die verschiedenen medizinischen Disziplinen.
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Was ist Verhaltensoptometrie?
Die Verhaltensoptometrie (=Funktionaloptometrie) beschäftigt sich mit Funktionsstörungen, die bei gesunden Augen aufgrund eines gestörten Sehverhaltens oder einer fehlerhaften Sehentwicklung auftreten und zu Problemen der visuellen Wahrnehmung führen.
Die Analyse funktioneller Sehprobleme wird nicht ausschließlich durch moderne High-Tech-Ausstattung in der optometrischen Praxis ermöglicht. Vielmehr läßt sich durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise der visuellen Situation mit vielen Funktionstests, einer gründlichen Erfragung der Vorgeschichte und der besonderen Erfahrung des Optometristen ein Gesamteindruck vom Problemkreis des jeweils Betroffenen herstellen. Ein spezielles Sehproblem ist immer nur Teil des Gesamtsystems, deshalb muß immer der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Die visuelle Wahrnehmung entwickelt sich vom Säugling bis zum Greis - es gibt kein Ende der Entwicklung, denn Sehen ist nicht nur Physik oder Physiologie, Sehen ist in erster Linie Erfahrung! Deshalb lassen sich visuelle Probleme nicht immer durch ein Eingreifen an einer einzigen Stelle lösen (z.B. durch die Verordnung einer Brille), sondern es muß vielmehr das Sehverhalten insgesamt geändert werden (z.B. die Ergonomie, Beleuchtung, Arbeitsablauf etc.). |
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Die Verhaltensoptometrie ist ein sehr dynamisches Spezialgebiet der Augenoptik/Optometrie.
Je mehr und je schneller sich unsere Lebensweise von der unserer Vorfahren, also von der Kontinuität unserer Entwicklungsgeschichte, entfernt, umso weniger wird unsere Wahrnehmung in der gewohnten Weise fehlerfrei funktionieren. Die Entwicklung der Wahrnehmung beim Kind in einer Großstadtwohnung ist so grundlegend anders als noch vor wenigen Generationen, daß viele Entwicklungsstufen gar nicht mehr in der gewohnten Weise stattfinden. Die große Mehrheit der Kinder entwickelt sich trotzdem prächtig - im Einzelfall aber führt das Zusammentreffen verschiedener negativer Faktoren zu Problemen der visuellen Wahrnehmung, wie Anstrengungsbeschwerden, Kopfschmerz, gerötete Augen u.v.m., (auch als visuelle Komponente bei Legasthenie). Aus diesen Erkenntnissen und Erfordernissen heraus hat sich die Verhaltensoptometrie entwickelt. |
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Die Wissenschaftlichkeit der Verhaltensoptometrie, die an verschiedenen Stellen der Augenoptik und Augenheilkunde hartnäckig in Zweifel gezogen wird, steht außer Frage. Hinweise zu Fachveröffentlichungen und umfangreichen wissenschaftlichen Arbeiten sind in dem Buch „Bibliography of Nearlenses and Vision Training Research (OEP), (isbn 0-943599-90-3 oder oepbib90-3)zu finden. Weitergehende Unterlagen sind im Internet, z.B. unter http://www.healthy.net/oep/ zu finden.
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Fast alles was wir wissen, kam durch die Augen in den Kopf! |
Einführung in die Grundzüge der visuellen Wahrnehmung
Die visuelle Wahrnehmung ist ein außerordentlich komplexes Zusammenspiel von vielschichtigen neurophysiologischen Funktionen, teilweise noch unzureichend erforscht und uns in ihrer Bedeutung im Alltag (selbstverständlich) auch nicht immer so recht bewußt. Sie ist nicht isoliert von anderen Sinnen zu betrachten - ist doch z.B. die bildliche Vorstellung einer Zitrone gleichzeitig auch mit dem Bewußtsein von deren Geschmack und dem Anfühlen ihrer Oberfläche verbunden! Gleichwohl muß man, um die Funktionen eines einzelnen seiner Sinne verstehen zu können, eine isolierte Betrachtung vornehmen. Um die Visualität, also „Das Sehen“ anschaulich zu machen, eignet sich das vereinfachte Modell von Skeffington mit den vier Kreisen der visuellen Teilbereiche: ![]() |
A) |
Augenbewegungen zur Klärung des eigenen Standortes - wo bin ich? (Orientierung)
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B) |
Fixation auf den Punkt des Interesses - wo ist es? Durch die Konvergenz der Augen (Betätigung der äußeren Augenmuskeln) ist die Standortbestimmung des betrachteten Gegenstandes möglich.
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C) |
Scharfstellen des betrachteten Gegenstandes zur Erkennung - was ist es? (Betätigung der Akkommodationsmuskulatur).
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D) |
Visualisation - sich ein Bild machen - wie ist es? (Vermischung mit sprechen, hören, fühlen, schmecken).
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E) |
Gesamtheit der visuellen Wahrnehmung, das eigentliche „Sehen“, als Ergebnis des Zusammenwirkens aller beteiligten Einzelfunktionen.
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Je größer die „visuelle Erfahrung“ ist, also je mehr Erfahrungsmuster in möglichst guter Qualität zum Vergleich zur Verfügung stehen, um so effizienter ist die visuelle Wahrnehmung hinsichtlich Aufnahme- und Leistungsfähigkeit. Als Beispiel sei das Autofahren angeführt: Ein Anfänger muß im Straßenverkehr auf jede einzelne Bewegung, jedes Bremslicht, auf jeden Fußgänger, konzentriert achten, um beurteilen zu können, ob die Situation sicher oder gefährlich ist. Der erfahrene Autofahrer hat eine selektive Wahrnehmung erreicht, er reagiert nur noch auf Situationen, die erfahrungsgemäß gefährlich sein könnten. Dadurch fährt er gegenüber dem Anfänger wesentlich entspannter und kann die Aufmerksamkeit viel länger aufrechterhalten. |
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Unbeschwertes und leistungsfähiges Sehen ist nur möglich, wenn alle Teilbereiche flüssig ineinandergreifen und sich nicht gegenseitig behindern oder ausschließen!
schon mal geprüft ? |
Störungen der visuellen Leistungsfähigkeit
können in allen Teilbereichen der visuellen Wahrnehmung begründet sein:
· Augenbewegungen. Eine wichtige Grundlage guter visueller Leistungsfähigkeit sind gleichmäßige, fließende Augenbewegungen. Sind sie durch irgendwelche Störungen in der kindlichen Entwicklung oder spätere störende Einflüße nicht entsprechend auspeprägt, so wird es zwangsläufig auch zu Störungen in den nächsten Entwicklungsstufen kommen. Schnelles Lesen mit guter Sinnerfassung erfordert ein regelrechtes „Einscannen“ des Textes in das Gehirn. Zwei Augen, die wie Einzelgänger keine gute Kooperation entwickeln, werden nie in der Lage sein, über einen geschriebenen Text zu gleiten und im Gehirn einen schnellen Vergleich mit dem bisher Gelernten zuzulassen - selbst das Gelernte wird nur als bruchstückhaftes Erfahrungsmuster zum Vergleich zur Verfügung stehen. Beispiele für den möglichen Seheindruck bei unzureichend koordinierten Augenbewegungen: |
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Ruckartige, stockende oder überschießende Augenbewegungen führen konsequenterweise zu Defiziten in den
· Vergenzen. Derartige Mängel lassen ordentliche Vergenzen gar nicht erst zu, oder aber sie funktionieren nur innerhalb sehr geringer Bandbreiten mit entsprechenden Beschwerden. Häufige Klagen betreffen ein schnelles Ermüden, verursacht durch teilweises Unterdrücken des Seheindruckes eines Auges oder auch gelegentliches kurzzeitiges Doppeltsehen. Weichen die Augen von der geforderten Blickrichtung ab, so daß sie durch ein ständiges Nachstellen der äußeren Augenmuskeln korrigiert werden müssen, so handelt es sich um eine Phorie. Phorien können ebenfalls erhebliche Anstrengungsbeschwerden verursachen. Sie sind (vor allem vor dem 12. Lebensjahr) je nach Belastung häufigen und starken Schwankungen unterworfen, so daß eine meßtechnische Erfassung schwierig und eine Korrektur mit prismatischen Brillengläsern mitunter nicht oder nur in Kombination mit einem optometrischen Visualtraining möglich ist. Beispiel für den möglichen (kurzzeitigen und sich ständig ändernden) Seheindruck bei unzureichender Konvergenz/Divergenz: |
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Leistungsdefizite in den Vergenzen wirken sich auch aus auf die
· Akkommodation. Die Naheinstellung der Augen ist durch ihre Koppelung an Divergenz und Konvergenz immer auch von deren Leistungsfähigkeit abhängig. Aber auch für sich selbst betrachtet, kennt die Akkommodation Beeinträchtigungen, die die visuelle Leistungsfähigkeit herabsetzen. Sind Akkommodationsschwächen meist im Zusammenhang mit einer Konvergenzschwäche zu finden, so ist die „Überakkommodation“ häufig die Folge von Nahstreß: anhaltende Naharbeit über lange Zeiträume und hoher Leistungsdruck, z.B. durch schwierigen Lesetext, oder Textaufgaben, die noch nicht bewältigt werden. Beispiel für den möglichen (kurzzeitigen und sich ständig ändernden) Seheindruck bei unzureichender Akkommodation: |
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· Perception / (Visualisation).
Das „sich ein Bild machen“ von den Dingen geht weit über das eigentliche Sehen hinaus. Alle anderen Sinne sind ebenso beteiligt. Ist durch eine mangelhafte visuelle Wahrnehmung z.B. das Lesen beeinträchtigt, so ist das Vergleichsmaterial auf der „Festplatte“, also die erlernten Erfahrungsmuster im Gehirn, entsprechend lücken- oder bruchstückhaft. Die Folge ist eine reduzierte Sinnerfasung beim Lesen. Ebenso wirken sich solche Defizite z.B. beim Sport oder im Straßenverkehr aus: Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung können nicht schnell genug eingeschätzt werden. Ob Tennisspieler oder Rennfahrer, Schüler oder Informatiker - Menschen mit reduzierter visueller Leistungsfähigkeit kommen, sofern das Sehen für ihre Tätigkeit eine große Rolle spielt, über ein bestimmtes Maß an Erfolg nie hinaus. Beispiel für den möglichen Seheindruck bei „Buchstabendrehern“ (perceptionelle Disfunktion): |
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Wir gehen nicht in bie Schule um bie Zeit zu vertreiden, sonbern weil qas irrsinnig Sqaß macht. Die Lehrer begeistern uns jeden Tag. Alles was sie uns deidringen, ist unglaudlich spannenq. Manchmal wissen bie noch mehr als unsere Eltern.
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Visuelle Wahrnehmungsstörungen sind |
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Die Anpassung an die Störung
Alle Vorgänge des Organismus sind auf Funktionalität und (Energie)-Wirtschaftlichkeit ausgerichtet. Störungen im System versucht der Organismus durch Kompensation oder durch Veränderung seiner Struktur auszugleichen. Vor allem Kindern mit visuellen Problemen sind häufig Kompensationshaltungen deutlich anzusehen: das Herstellen einer funktionellen Einäugigkeit für bestimmte Tätigkeiten kompensiert viele Wahrnehmungsstörungen. So sind das geeignete Hilfsmittel, um unbewußt ein Auge vorübergehend auszuschalten und damit das Durcheinandertanzen von Buchstaben oder das kurzzeitige Verspringen von Zeilen zu vermeiden. Nicht immer so deutlich sichtbar sind strukturelle Veränderungen, die der Anpassung an Störungen dienen. So ist die Entwicklung einer „Schulmyopie“ (Kurzsichtigkeit, die während der Schulzeit, insbesondere in der Pupertät, entsteht) eine strukturelle Anpassung an stundenlanges, konzentriertes Nahsehen - „energie-wirtschaftlich“ eine vernünftige Anpassung, denn sie führt zu einer Entlastung der andauernden Akkommodation! Übrigens haben Kursichtige nur sehr selten größere Probleme mit der visuellen Wahrnehmung im Nahbereich. Sie sehen lediglich in der Ferne unscharf, was sich durch eine Brille unkompliziert korrigieren läßt. Durch die Kurzsichtigkeit müssen sie weniger oder keine Akkommodation für die Nähe aufbringen, wodurch ihre Konvergenz mehr Spielraum bekommt. Kurzsichtige sehen meist sehr zentriert, haben keine Nahunschärfen oder Doppelbilder und zeigen häufig ein insgesamt „nahorientiertes“ Verhalten („Stubenhocker“ und „Leseratten“). Im Gegensatz dazu zeigen die Übersichtigen und Rechtsichtigen häufiger ein wenig „zentriertes Sehverhalten“, fallen durch Unruhe bei Naharbeiten auf, brauchen ständig Pausen und reagieren auf jede Ablenkung. Sie neigen dazu, Naharbeit zu verweigern und frönen ihrem Bewegungsdrang. Als Schüler sind sie oft diejenigen, die „über Tische und Bänke gehen“. Sie sind keineswegs faul sondern ständig überfordert wenn es darum geht, konzentrierte Naharbeit zu verrichten. In den Praxen der Funktionaloptometristen wimmelt es von solchen Schülern und ihre Zahl nimmt ständig zu. |
Das optometrische Visualtraining
Stellt ein Tennisspieler fest, daß er beim Aufschlag stets den Ball in das Netz schlägt, so wird er versuchen, durch Änderung seiner Körperhaltung, seiner Fußstellung, der Wurfhöhe und anderer Einzelkomponenten des Aufschlages sein Spiel zu verbessern. Gelingt das nicht, so wird er entweder irgendwann seinen Sport entnervt aufgeben, oder aber das einzig richtige tun: mit einigen Trainerstunden läßt sich sein Problem nicht nur analysieren, sondern sogar (zumindest weitgehend) beseitigen - Übung macht den Meister!
Hat nun das Augenpaar (im Laufe der kindlichen Entwicklung) nicht gelernt - oder wieder „verlernt“ -, sich zu koordinieren, Bewegungen und Einstellmechanismen gemeinsam und flüssig ablaufen zu lassen, so sind spezielle Übungen erforderlich: das optometrische Visualtraining. Um die visuelle Leistungsfähigkeit insgesamt zu steigern, müssen alle Teilbereiche gleichzeitig und aufeinander abgestimmt trainiert werden (s. o.: die vier Kreise von Skeffington). Da sich die Bewegungsabläufe der Augen in verschiedenen Altersstufen entwickeln und eine immer stabilere Struktur bekommen, läßt sich nicht jedes visuelle Problem und nicht in jedem Alter gleich gut trainieren. Der Aufbau des Visualtrainings muß dementsprechend dem Alter und dem visuellen Problem angepaßt sein - ein Standardtraining für alles und jedes gibt es nicht. Grundlage des Trainings ist die Visuelle Analyse, bei der mit einer langen Reihe von Messungen (sog. 21-Punkte-Prüfung zur differenzierten Betrachtung von Akkommodation und Vergenz) und einer Vielzahl von Tests die Ursache für das „visuelle Fehlverhalten“ erforscht wird. Anhand entsprechender Auswertungen kann dann festgelegt werden, in welcher Reihenfolge und mit welchen Übungen das Training begonnen wird. Trainingsablauf: Die vier Teilbereiche werden in jeder Trainingseinheit ihrem jeweiligen Niveau entsprechend trainiert. Es gibt also jeweils 4 Übungen, die täglich durchgeführt werden müssen. Ein täglicher Übungsaufwand von 20 Minuten ist i.a. ausreichend. In zumeist 14-tägigem Rhythmus wird der Trainingsfortschritt überprüft und die Übungen werden dem aktuellen Stand angepasst. Die meisten visuellen Probleme erfordern einen Aufwand von 8 – 15 Trainingseinheiten. Umfangreiche Praxiserfahrungen haben gezeigt, dass wesentlich kürzere Trainingszeiten zwar ausreichen können, die jeweiligen visuellen Fertigkeiten technisch zu erlernen, aber eine Integration in die alltäglichen Anforderungen gelingt damit nicht; d.h. der erreichte Erfolg ist dann nicht von Dauer! * Die „21-Punkte-Prüfung-OEP“ zur qualitativen Ermittlung des Akkommodation-Konvergenz-Zustandes ist ein klassisches augenoptisches Messverfahren und die einzige Möglichkeit, diesen Zustand messtechnisch zu erfassen sowie Veränderungen objektiv nachzuweisen. |
Anwendungsgebiete für optometrisches Visualtraining
· General skills (allgemeine Fähigkeiten) Bei den General skills handelt es sich um das Training der allgemeinen Fähigkeiten. Das bedeutet, dass trotz eigentlich vorhandener visueller Leistungsfähigkeit eine Überlastung aufgetreten ist, die zu einer Beeinträchtigung der Effizienz visueller Arbeit führt. Besonders betroffen davon sind Menschen mit anhaltender Bildschirmarbeit. Typische Symptome sind sog. asthenopische Beschwerden wie Stirn- oder Schläfenkopfschmerzen, Flimmern vor den Augen, Augenbrennen und Konzentrationsstörungen. Durch das Visualtraining wird eine entsprechende visuelle Entspannung erreicht und die Belastbarkeit wieder auf ein normales Maß erhöht. Gleichzeitig wird ein angemessenes Sehverhalten vermittelt. Zumeist sind 6 – 8 Übungseinheiten erforderlich. Eine Sonderform der Beeinträchtigung der allgemeinen visuellen Fähigkeiten sind visuelle Wahrnehmungsdefizite nach Schlaganfall, Schleudertrauma, Gehirnerschütterungen, usw. Nach einem Schlaganfall sind häufig Gesichtsfeldausfälle zu beobachten, welche die Orientierung ebenso beeinträchtigen können wie die Augen-Hand-Koordination. Je früher das Training begonnen wird, um so besser sind die Chancen, die Qualität der visuellen Wahrnehmung nachhaltig zu steigern. Nach einem Schleudertrauma und nach schweren Gehirnerschütterungen können erhebliche Koordinationsstörungen des Augenpaares auftreten, die sich nicht mehr selbst "regeln". Dabei auftretende visuelle Probleme stören vor allem das Nahsehen. Zumeist sind 6 – 20 Übungseinheiten erforderlich. · Myopie (Kurzsichtigkeit) Ist Kurzsichtigkeit angeboren oder bereits fest strukturiert, so ist sie nicht durch ein Visualtraining zu verringern oder gar zu beseitigen. In vielen Fällen aber ist sie funktionell, das bedeutet, dass sie sich durch visuellen Stress in der Nähe (also exzessive Naharbeit) entwickeln oder verstärken kann. Das trifft für jede Altersklasse zu. Es ist häufig zu beobachten, dass auch bei älteren Erwachsenen plötzlich eine Zunahme der Kurzsichtigkeit auftaucht, wenn sich der bisherige Büroarbeitsplatz in einen Bildschirmarbeitsplatz verwandelt! Ähnliche Probleme finden sich bei Studenten im Prüfungsstress – lässt sich eine Anpassung der Brillenstärke vermeiden, so findet man nach Ende der Prüfungen häufig einen Rückgang der Myopie auf das vorherige Niveau. Muss die Brillenstärke angepasst werden, so bleibt der höhere Wert erhalten. Mit einem individuellen Trainingsprogramm kann erheblicher Einfluss auf die Entwicklung der Kurzsichtigkeit genommen werden. Zumeist sind mindestens 10 Übungseinheiten erforderlich. · Amblyopie (Schwachsichtigkeit) Amblyopien entstehen meist als funktionelle Defizite in der Augenkoordination bei Kleinkindern. Die „Emmetropisierung“, also der Abbau der natürlicherweise angeborenen Übersichtigkeit wird von einem Auge nicht in der gewünschten Weise vollzogen. Das sog. schwächere Auge fixiert nicht „zentrisch“, benutzt also nicht die Fovea Centralis (Netzhautgrube) zum Sehen, sondern einen benachbarten Bereich mit geringerer Sehschärfe. Das Kind (oder auch der Erwachsene) muss also lernen, beidäugig zentral zu fixieren. Zumeist sind 10 – 15 Übungseinheiten erforderlich. · Low Achiever (Lese-Lern-Probleme) Kinder mit Lese-Lern-Problemen gelten häufig als faul, desinteressiert und lern-unlustig. In Wahrheit müssen sie ein Übermaß an Energie aufbringen um ihre Augen längere Zeit auf einen Punkt zu koordinieren und sind deshalb schon nach kurzer Zeit völlig „ausgepowert“. Sie zeigen typische Kompensationshaltungen beim Lesen und Schreiben (s.o.) und neigen zur Verweigerung jeglicher Naharbeit. Ihr Lieblingsfach in der Schule ist meistens Sport, obwohl sie bei Ballspielen und anderen visuell anspruchsvollen Sportarten ebenfalls entsprechende Defizite zeigen. Im Visualtraining lernen sie die schnelle und flüssige Augenkoordination die zum Lesen und Schreiben unabdingbar ist. Zumeist sind 10 – 15 Übungseinheiten erforderlich. · Sports Vision (Sehen im Sport) Vor allem in sehr schnellen Sportarten (Ballsport, Rennfahren) läßt sich mit unzureichenden „visuell-motorischen“ Fähigkeiten nur ein begrenztes Niveau erreichen. Die Verbindung aus zentriertem Sehen (Fußball) und peripherem Sehen (Mit- und Gegenspieler) erfordert ein sehr hohes Maß an visuellen Fertigkeiten aller 4 Teilbereiche und muss zudem noch „stressresistent“ sein. Selbst im Leistungsport ist über die visuelle Wahrnehmung und deren Trainierbarkeit relativ wenig bekannt und wird kaum genutzt. Dabei sind scheinbar unerklärliche Schwächen mancher Spitzensportler (z.B. Aufschlagschwächen oder das Umlaufen der Vorhand/Rückhand beim Tennis, Kopfballschwächen bei Fußballern, etc.) sehr gut trainierbar. Zumeist sind 10 Übungseinheiten erforderlich. |
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Motivation und Ausdauer führen zum Erfolg!
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Die Pflege der visuellen Wahrnehmung
„Fast alles was wir wissen, kam durch die Augen in den Kopf!“
Dieser Slogan hat einen hohen Wahrheitsgehalt, erleben wir doch bis zu 90% aller Sinneseindrücke durch das Sehen. Daher ist leicht einzusehen, daß die Qualität der visuellen Wahrnehmung einen bedeutenden Einfluß auf die Menge unseres Wissens und der spontanen Verfügbarkeit dieses Wissens hat. Es lohnt sich also, die Aufnahme von Seheindrücken so optimal wie möglich zu gestalten, weil dann der Vergleich im Gehirn mit bereits Bekanntem um so effektiver stattfindet, weniger Energie mit aufwendigem Suchen nach Vergleichseindrücken verschwendet wird und damit die Konzentration länger aufrechterhalten werden kann. Entwicklungsgeschichtlich gesehen war der Mensch bis vor kurzem ein Jäger und Sammler, d.h. er hat nur bei Tageslicht gesehen, überwiegend seine Augen auf größere Entfernungen eingestellt und Naharbeit nur mit den Händen erledigt. Diese Entwicklung der Sehgewohnheiten verlief bis vor wenigen Generationen sehr kontinuierlich, erst das Zeitalter der künstlichen Beleuchtung, der Maschinenarbeit bis hin zur Computertechnik und das Leben in Städten haben diesen Verlauf drastisch verändert. Ein Stadtkind, das in der siebten Etage wohnt, kann (und muß) kaum einen „visuellen Horizont“ entwickeln (wichtig für das Gleichgewicht, oder auch für das Auffinden der nächsten Zeile beim Lesen), die größten Entfernungen sind innerhalb der Wohnung 3 - 4 Meter, es braucht kein fein entwickeltes Gleichgewicht, denn es rutscht keine Treppengeländer hinunter (Fahrstuhl), es fährt nicht freihändig mit dem Rad (verboten), klettert nicht auf Bäume (nicht vorhanden oder verboten) und es läuft mit fünf Jahren noch an der Hand der Mutter, weil der Straßenverkehr so gefährlich ist. Aber auch das Landleben ist inzwischen „verstädtert“, Bauernhöfe maschinenbestückt und automatisiert. Fernsehen und Computer lassen in völlig statischer Körperhaltung schnellste Bewegung erleben - vor allem bei unzureichender Raumbeleuchtung eine gewaltige Irreführung der (visuellen) Wahrnehmung. Da das Sehen, ebenso wie das Funktionieren der anderen Sinne, das Ergebnis schier endloser Übung ist, ist dieses Ergebnis auch von der Qualität des Übens abhängig: |
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=> Beleuchtung Das menschliche Auge ist entwickelt für Tageslicht und hat seine höchste Empfindlichkeit bei gelblichem Licht (Mitte des Regenbogens). Künstliche Beleuchtung hat oft Lücken oder Verschiebungen in der spektralen Verteilung (z.B. hoher Blauanteil bei vielen Leuchtstoffröhren) oder die Farbe führt zu angestrengtem Sehen (rotes Licht oder rote Wände im Hintergrund). Besonders wichtig für die visuelle Wahrnehmung ist die sog. Figur/Grund-Relation. Das bedeutet, daß die Position des Betrachteten zu seiner Umgebung (Peripherie) gut erkennbar sein muß, damit eine räumliche Zuordnung erfolgen kann. Für den Alltag bedeutet das die Notwendigkeit einer guten Raumbeleuchtung bei Naharbeit (Lesen, Schreiben, Bildschirmarbeit) und Fernsehen. |
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=> Arbeitsposition/Körperhaltung Aus dem gleichen Grund ist ein ausreichender Leseabstand außerordentlich wichtig: der Mindestabstand beim Lesen und Schreiben ist die Unterarmlänge einschl. Faust (Harmon-Distanz). Beim Lesen und Schreiben „mit der Nase“ geht die Figur/Grund-Relation verloren, es entsteht „Nahstreß“. „Der Mensch braucht einen geraden Horizont und festen Boden unter den Füßen.“ Bevor Lesen und Schreiben Allgemeingut war, gab es Schreiber (zumeist Mönche), die an Stehpulten geschrieben haben. Sie standen auf dem Boden und hatten schräge Schreibflächen, so daß sie bei leicht geneigtem Kopf senkrecht auf das Papier sehen konnten! Sie wußten, daß man so ein wesentlich entspannteres und verzerrungsfreieres Sehen hat als bei einer waagrechten Unterlage mit schrägem Draufblick. Bei sehr vielen Kindern mit Lese-/Schreibproblemen kann man beobachten, daß sie die Beine baumeln lassen (oder irgendwie um die Stuhlbeine ranken) und mit schiefhängendem Oberkörper über ihrem Heft kauern! Geneigte Schreibtischplatten (oder aufsetzbare Lesepulte) verbessern nicht nur die visuelle Wahrnehmung durch günstigere Blickwinkel, sie zwingen auch zu einer aufrechteren Haltung beim Schreiben und verbessern damit den Lese-/Schreibabstand ebenso wie sie zu einer freieren Atmung führen. Dabei soll die Stuhlhöhe gewährleisten, daß ein Abstellen der Füße auf dem Boden möglich ist (Stabilisierung des Horizonts). Klassenzimmer erfüllen meistens nicht einmal die minimalsten Anforderungen an ein beschwerdefreies Lesen und Schreiben: vor allem kleinere Schüler erreichen bei weitem nicht den nötigen Arbeitsabstand und müssen häufig mit den Füßen baumeln, da sie nicht bis zum Boden reichen. Durch die weit verbreitete blockweise Anordnung der Tische müssen viele Kinder über die Schulter nach vorne an die Tafel sehen, d.h., daß überwiegend ein Auge benutzt wird. Wenn es sich dabei nicht um das dominante Auge handelt, entsteht ein ähnliches Problem wie bei einem Fußballer, der rechtsfüßig schießen kann, aber auf der linken Seite spielen muß! Das geschieht in einem Alter, in dem das räumliche Sehen noch nicht fertig entwickelt ist! Um zu vermeiden, daß Lese-/Rechtschreibprobleme in der Schule erst entstehen, sollten Klassenzimmer so gestaltet sein, daß alle Kinder gerade nach vorne sehen können und Tische und Stühle ihrer Körpergröße entsprechen. |
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=> Sehverhalten In natürlicher Umgebung ist das Sehen ein sehr dynamischer Vorgang: Blickbewegungen (nach Richtung und Abstand) führen zu einer permanenten Überprüfung der eigenen Position und zu einem dynamischen Wechsel der Figur/Grund-Relation (s.oben). Das bedeutet, daß sowohl die Akkommodations- als auch die Vergenzmuskulatur in optimaler Gebrauchsfähigkeit gehalten wird. Stundenlanges Lesen oder Fernsehen läßt die Dynamik dieser Abläufe mehr und mehr in statischer Fixation erstarren. Die Folge ist ein deutliches Nachlassen der visuellen Leistungsfähigkeit. Viele „Leseratten“ können bestätigen, daß sie beim Lesen weniger schnell ermüden, wenn sie bei jedem Umblättern einen kurzen Blick aus dem Fenster werfen. Dasselbe gilt für die Tätigkeit am Bildschirmarbeitsplatz. Dieser kurze Moment der Entspannung und Anspannung der Muskulatur führt zu einer ganzen Kette von physiologischen Folgereaktionen (z.B. Erhöhung der beim Lesen verringerten Lidschlagfreqenz, was die Bindehaut vor Reizungen durch Austrocknung schützt). Das Sehverhalten wird natürlich stark beeinflußt von der visuellen Leistungsfähigkeit und umgekehrt. Sind visuelle Probleme so ausgeprägt, daß eine oberflächliche Veränderung des Sehverhaltens keine Besserung bringt, so kommt es - sofern keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden - zur Verweigerung . Viele Schüler mit Leseproblemen verweigern das Lesen keineswegs aus Faulheit, sondern weil sie die extreme Konzentrationsleistung nur kurze Zeit aufbringen können. Diesbezüglich kann man zu dem Schluß kommen: |
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Der lesefaule Schüler ist ein fleißiges Lieschen !
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Stichwortverzeichnis
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Akkommodation Einstellen des Auges auf eine bestimmte Entfernung. |
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Fehlsichtigkeit ist die Folge von Bildlagefehlern im Auge. Fehlsichtigkeit ist keine Krankheit, kann aber das Wohlbefinden kranheitsähnlich belasten und die allgemeine Leistungsfähigkeit vermindern. Die Korrektionsmittel wirken ausschließlich physikalisch-optisch. |
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Optometrie aus dem Griechischen „ops“ (Auge) und „metron“ (messen). Sie bezeichnet die Kunst oder Wissenschaft, mit augenoptischen Verfahren nicht krankhafte Sehfehler zu vermessen und visuelle Probleme mit optisch-visuellen Mitteln zu mildern, auszugleichen oder zu korrigieren. |
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Optometrist ist jemand, der die Optometrie ausübt, ein in Refraktions-, Sehschärfen- und Augenglasbestimmung ausgebildeter, spezialisierter und dafür zugelassener Augenoptiker. |
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Perception Geistige Wahrnehmung, die im Bewußtsein eine bestimmte Integration hat und einen Sinn ergibt. Es handelt sich also um die Umsetzung der von den Rezeptoren empfangenen Daten in eine Sinngebung und die darauf folgende Reaktion. |
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Phorie Zustand des beidäugigen Sehens bei Abweichung der Sehachsen von der Ideallinie, bei dem beide Augen nur unter Anstrengung denselben Objektpunkt wahrnehmen. |
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Vergenz(stellung) Winkel zwischen den Fixierlinien beider Augen. Divergenz und Konvergenz beschreiben die Veränderung des Fixierlinienwinkels bei Blickabstandsänderungen. |
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Visualisation Fähigkeit, Objekte zu orten und zu erkennen, sich „ein Bild zu machen“ vom betrachteten Objekt. |
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Visualtraining, optometrisches Sehübungen zur Verbesserung des Leistungsvermögens und zur Abwehr von Sehstreß, sofern binokulares (beidäugiges) Einfachsehen mit normaler Sehschärfe vorliegt. |
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| Werkstetter Augenoptik · Marsbruchstr. 1 · 44287 Dortmund · Tel.: 02 31 / 44 17 99 · www.werkstetter.de |
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